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Forum: Kultur & Literatur

Wer kann mir sagen, ob ein Manuskript...

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pisolo

Member

Ja, ich glaube genau bei diesem groben Rahmen liegt für mich gerade die Schwierigkeit. Weil ich schon etwas brauche, damit ich mich nicht wieder im Manuskript verliere, aber sobald ich mir zu viele Punkte hinschreibe habe ich wahrscheinlich gleich wieder das Gefühl, dass ich sie alle abarbeiten muss. Und dann wird aus einer Hilfe am Ende die nächste kleine Pflichtübung.

Mehrere Versionen von einer Problemszene zu machen klingt für mich inzwischen aber ziemlich sinnvoll. Also nicht immer nur denselben Absatz hin und herschieben bis ich selbst nicht mehr weiß, ob er wirklich besser oder bloß anders geworden ist, sondern vielleicht einmal wirklich neu anfangen und danach beide Fassungen liegenlassen. Abstand würde mir vermutlich ohnehin guttun, weil ich daheim sonst doch wieder nach zwei Tagen reinschaue. Hast du früher eher ganze Szenen neu geschrieben oder immer an derselben Version weiter herumgetan?
2026-07-13 13:13

faber

Member

naja, das ist vielleicht auch Ansichtssache, aber vielleicht gibt es auch einfach sowas wie Pflichtübungen, wenn man in einer Disziplin wirklich gut werden will? Und, dass man einfach wirkliche Arbeit reinstecken muss, die sich auch anfühlen darf wie Arbeit? Möchte da jetzt auch nicht zu streng mit dir sein, aber ich glaube, dass man in allem, wo man herausragend gut sein will, was man sein muss, um Erfolg zu haben, auch Sachen machen muss, die nicht so viel Spaß machen. Eine Fußballerin muss auch jede Menge Ausdauertraining machen, obwohl sie vielleicht am liebsten einfach Am Platz stehen und Tore schießen will. Solche Vergleiche hinken gerne mal ein wenig, aber vielleicht verstehst du, was ich meine.

Probier mal verschiedene Versionen aus und mach auch mal Pause, sonst verlierst du komplett den Blick für die Dinge. Wenn man das als Arbeit sieht, was es wahrscheinlich letztlich ist, braucht man auch mal Urlaub, um sich zu erholen. Ich glaube mit mir solltest du dich da nicht vergleichen, ich hatte nie die Ambition was zu veröffentlichen, bei mir war das wirklich nur Hobby. Wenn ich unzufrieden war oder nicht weitergekommen bin, hab ich einfach aufgehört und nicht weitergemacht, war ja nur Freizeitbeschäftigung. Und das ist eben der Unterschied, das wirst du dir nicht leisten können, wenn du wirklich was veröffentlichen willst, da muss man dann auch dranbleiben.
2026-07-14 11:31

pisolo

Member

Der Vergleich passt schon, auch wenn ich bei Pflichtübung sofort ein bisschen innerlich zumache. Vielleicht ist genau das mein Denkfehler. Sobald sich das Schreiben nach Arbeit anfühlt, glaube ich ziemlich schnell, dass mit dem Text grundsätzlich etwas nicht stimmt oder ich irgendwo falsch abgebogen bin. Dabei kann Überarbeiten vermutlich einfach manchmal genau so aussehen.

Ganz aufhören möchte ich diesmal jedenfalls nicht. Dafür begleitet mich das Manuskript schon zu lange. Mir fehlt wahrscheinlich eher ein Rhythmus, den ich auch über längere Zeit durchhalte, ohne dass gleich jeder freie Abend dafür draufgeht. Vielleicht müsste ich die Pausen sogar vorher festlegen. Im Moment höre ich meistens erst auf, wenn ich ohnehin schon genervt auf dieselben Seiten schaue.

Hast du damals nach einer längeren Pause noch einmal in alte Texte geschaut und plötzlich klarer gesehen, was daran nicht funktioniert?
2026-07-21 16:33

faber

Member

da wird wahrscheinlich genau der Unterschied liegen, je nach dem was man draus machen will. Für ein Hobby ist das völlig ausreichend, wenn man nur das macht, was einem Spaß macht. Genau so soll es vielleicht auch sein. Dann kann man nur den Ball aufs Tor schießen und es ist relativ egal, wenn man nach 10 Minuten keine Kraft mehr hat. Aber wenn du wirklich veröffentlichen willst, dann wird dieser Ansatz wahrscheinlich schwierig. Das darf man grade im Kreativen sicher nicht außer Acht lassen. Da wird sich vielleicht die Spreu vom Weizen trennen, wer macht sich einen Spaß und wer macht auch die unangenehmeren Aufgaben, auch wenn man lieber Spaß hätte :)
Ich les manchmal heute ich rein, aber eher aus Nostalgie und weil ich es spannend finde, was mich damals so beschäftigt hat und dann fällt mir vielleicht schon was auf, was ich heute nach hunderten gelesenen Büchern anders machen würde. Seh ich dann aber nicht als Kritik, sondern einfach als Zeichen, dass ich mich weiterentwickelt hab und dass das viele Lesen wirklich hilft. Man hat einfach ein viel geschulteres Auge und sieht schneller, wo es hakt oder was man verbessern könnte. Mach ich aber nicht, freu mich über die Relikte früherer Zeiten :)
2026-07-28 14:56

pisolo

Member

Mit dem Vergleich zum Training hast du mich wahrscheinlich ziemlich genau erwischt. Sobald das Überarbeiten länger zäh bleibt, denke ich schnell, dass ich irgendwo falsch abgebogen bin. Vielleicht bin ich diesen Teil bisher aber auch einfach zu selten lange genug durchgegangen.

Ich möchte das Manuskript jedenfalls nicht in ein paar Jahren wiederfinden und feststellen, dass es seit damals praktisch unverändert herumliegt. Also werde ich wohl nicht darum herumkommen, mich auch durch die Tage zu arbeiten, an denen kaum etwas vorangeht, ohne jedes Mal wieder beim ganzen Text anzufangen. Beim Lesen merke ich immerhin öfter als früher, dass mich eine Szene plötzlich verliert. Manchmal kann ich danach sogar ungefähr sagen, woran es lag. Was ist dir beim Wiederlesen deiner alten Texte eigentlich zuerst aufgefallen? Eher bestimmte Fehler, die immer wieder vorkamen, oder einfach dieses Gefühl, dass du heute vieles anders schreiben würdest?
2026-08-04 20:46

Jaro

Member

Am besten kann dir das jemand sagen, der selbst viel liest oder sogar Erfahrung mit Manuskripten hat. Ich würde mir auf jeden Fall mehrere Meinungen holen, weil Geschmäcker natürlich sehr unterschiedlich sind. Gute Betaleser können schon ziemlich schnell sagen, ob eine Geschichte spannend ist, die Figuren funktionieren und ob man weiterlesen möchte. Noch etwas fundierter wäre ein professionelles Manuskriptgutachten oder ein Lektorat. Da bekommst du normalerweise eine deutlich genauere Einschätzung zu Handlung, Stil, Figuren, Spannung und möglichen Schwächen.

Ich würde allerdings nicht direkt viel Geld in ein komplettes Lektorat investieren, wenn du erstmal nur wissen möchtest, ob das Manuskript grundsätzlich gut ist. Ein Manuskriptgutachten ist dafür meiner Meinung nach der bessere erste Schritt. Zusätzlich würde ich ein paar Leute suchen, die genau das Genre gerne lesen. Wenn unabhängig voneinander mehrere Personen an denselben Stellen Kritik äußern oder dieselben Dinge besonders gut finden, ist das meistens schon ein ziemlich guter Hinweis darauf, wo das Manuskript tatsächlich steht.
2026-08-16 11:51

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